Die Abbildung war in Bad Orb vor dem Nachdruck 1994 nur als Schwarzweißbild aus dem Buch "Führer durch Bad Orb und Umgebung" bekannt. Sie wird, nach dem benannten Drucker, gerne als "Umpfenbach-Stich" bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um keinen "Stich" (Kupferstich, Radierung) sondern um eine "Lithographie", also einen Steindruck.

Die Abbildung zeigt Stadt und Saline aus nördlicher Richtung.
Zur Datierung ist anzunehmen:
Im Vordergrund ist in der Bildmitte noch das 1838 abgerissene Untertor mit Torhaus und Turm zu sehen; rechts fehlt das König Ludwig'sche Hospital (Grundsteinlegung 1837, Inbetriebnahme 1840). Die sicherlich vor Ort gefertigte Ausgangszeichnung für die Lithographie kann somit nicht nach 1835/36 entstanden sein.
Anders sieht es mit der Eingrenzung zur frühestmöglichen Entstehung aus:
Im Hintergrund ist in Bildmitte auf dem groß herausragenden (heute noch vorhandenen) Obertorturm noch nicht der Dachhelm mit dem auffallenden Kreuzdach mit Dachreiter (Kaminauslass) zu sehen. Kreuzdach und Kaminauslass wurden bei Ausbau des Turms zum Gefängnis aufgesetzt; nach BÜTTEL geschah dies nach 1838. Das Gebäude rechts vom Turm könnte aber schon das Gefängnisgebäude (heute Ausstellungshaus Obertor) sein - evtl. erbaut zusammen mit dem Landgericht??? - die Dachfirstrichtung entspricht aber nicht der Wirklichkeit.
Links vom Turm ragt über die übrigen Dächer ein Gebäude heraus. Wahrscheinlich ist es das 1821 erbaute königlich bayerische Landgericht (heute Polizeistation). Die Dachfirstrichtung entspricht jedenfalls der Wirklichkeit. Im o.a. Gefängnisgebäude neben dem Turm befindet sich noch heute eine Stallpflasterung für die Kutschen-Remise des Landrichters.
Links im Bild ist nichts vom Jössertorturm zu sehen, der bereits 1823 abgerissen wurde. Die Ausgangszeichnung kann also nur nach 1823 entstanden sein.
Bei allen Ungenauigkeiten (Orb hatte nicht soviele viereckige Türme, das Inspektorenhaus fehlt oder ist von einem Turm(?) verdeckt) - die Lithographie zeigt also vermutlich die Ansicht der Stadt Orb um 1825.
Dafür spricht auch die Entstehungsgeschichte des Druckverfahrens "Lithographie" (Steindruck), das 1798 von Alois Senefelder erfunden wurde und wohl erst nach 1818, nach Veröffentlichung seines Lehrbuches, größere Verbreitung fand.
Das Impressum links unten nennt den Zeichner: "Aug. Heider del Fuldae" (del. bedeutet hier abgekürzt 'delineavit' für 'hat gezeichnet'). August (auch Augustin) Heider (geb.1775, gest.1836 in Fulda) war ein Enkel des Fuldaer Hofmalers Johann Andreas Herrlein.Von Aug. Heider stammt die berühmte Rundum-"Ansicht von Fuld 1817" vom Schlossturm aus gesehen. Nach Orb kam Heider vermutlich, weil sein jüngerer Bruder Nicolaus hier Amtschirurg war.
Der im Impressum rechts unten genannte Drucker "Joh.[annes] Umpfenbach" ist im Frankfurter Adressbuch von 1835 als Schriftstecher und Lithograph (Steindrucker) in der Bleydenstraße G2 genannt.
1994 haben wir das in Bad Orb damals einzige vorhandene bzw. einzig bekannte alt-kolorierte Exemplar der Familie Nix (Quellenhof) als Vorlage für das farbige Faksimile verwendet..            zurück